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Das Wichtigste stand auf keinem Lehrplan

Das Wichtigste stand auf keinem Lehrplan

Was vom Studium wirklich hängen geblieben ist

Vor fast genau fünf Jahren entstand dieses Bild.

Ich halte mein Wirtschafts-Diplom in der Hand, grinse bis über beide Ohren und mache mit der anderen Hand das Okay-Zeichen.

Was man auf dem Bild nicht sieht:
Wie oft ich vorher kurz davor war, alles hinzuschmeißen.

Besonders eine Sache hatte es mir angetan:

Wirtschaftsmathematik.

Mathe war für mich wirklich eine Herausforderung. Und ohne die Unterstützung meiner Kommilitonen und die Nachhilfe eines Menschen, der Zahlen offensichtlich deutlich besser verstanden hat als ich, wäre diese Klausur wahrscheinlich sehr anders ausgegangen. 😄

Aber rückblickend war gar nicht Wirtschaftsmathematik die größte Herausforderung.

Die größte Herausforderung war, überhaupt dranzubleiben.

Studieren, wenn die Welt plötzlich stillsteht

Ein großer Teil meines Abendstudiums fiel in die Corona-Zeit.

Und vielleicht erinnern sich viele noch daran, wie merkwürdig diese Monate waren.

Normalerweise fährt man irgendwo hin.
Man trifft Menschen.
Man sitzt gemeinsam in einem Raum.
Man tauscht sich aus.

Plötzlich hieß Studium:

Laptop auf.
Zu Hause sitzen.
Online-Unterricht.
Stundenlang auf einen Bildschirm schauen.

Und das alles neben der Arbeit und den ganzen anderen Dingen, die das Leben sowieso schon mit sich bringt.

Ich hatte damals einige Tage, an denen meine Motivation wirklich nahe null war.

Ich fragte mich öfter:

Warum mache ich das eigentlich?

Brauche ich das wirklich?

Muss ich mir nach einem Arbeitstag tatsächlich noch mehrere Stunden Unterricht anhören?

Und wahrscheinlich kennt jeder diese Momente.

Du beginnst etwas voller Motivation.

Und irgendwann verschwindet die Anfangseuphorie.

Dann bleibt nur noch die Entscheidung:

Mache ich weiter – oder höre ich auf?

Allein hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft

Das Schönste an dieser Zeit waren für mich die Menschen.

Wir waren völlig unterschiedlich.

Unterschiedliche Altersklassen.
Unterschiedliche Berufe.
Unterschiedliche Geschichten.

Und trotzdem saßen wir alle im selben Boot.

Wenn jemand etwas nicht verstanden hatte, half jemand anderes.

Wenn einer keine Motivation mehr hatte, kamen die anderen.

Und wenn man selbst gerade dachte:

„Ich schaffe das nicht.“

gab es meistens jemanden, der gesagt hat:

„Doch. Komm. Wir machen weiter.“

Das klingt vielleicht banal.

Aber genau daraus kann etwas unglaublich Starkes entstehen.

Aus Menschen, die sich vorher überhaupt nicht kannten, wurde eine Gemeinschaft.

Und irgendwann entstand dadurch ein gemeinsamer Glaube:

Wir schaffen das.

Was ist vom Lernstoff geblieben?

Wenn ich heute ganz ehrlich bin:

Von vielen Dingen, die ich damals gelernt habe, ist heute nicht mehr besonders viel präsent. 😄

Manches habe ich vergessen.

Manches werde ich wahrscheinlich nie wieder brauchen.

Und ich glaube, damit bin ich nicht allein.

Natürlich vermittelt eine Ausbildung Wissen.

Aber heute denke ich, dass Ausbildung noch etwas ganz anderes vermitteln kann.

Sie zeigt dir, wer du bist, wenn es schwierig wird.

Ob du weitermachst.

Ob du Hilfe annehmen kannst.

Ob du andere Menschen unterstützt.

Und ob du dir selbst irgendwann mehr zutraust als vorher.

Gleichzeitig war mein Leben im Umbruch

Das Ganze passierte bei mir außerdem in einer Phase, in der sich ohnehin unglaublich viel verändert hat.

Arbeit.

Mein damaliges Hobby und die Veränderungen darum herum.

Neue Gedanken.

Neue Wege.

Und schließlich auch der Weg in die Selbstständigkeit.

Wenn ich heute zurückblicke, erkenne ich erst, wie viele Dinge damals gleichzeitig in Bewegung waren.

Und vielleicht war genau dieses Studium deshalb viel wichtiger für mich, als ich damals gedacht habe.

Nicht wegen einer mathematischen Formel.

Nicht wegen einer bestimmten Klausur.

Sondern weil ich erfahren habe:

Ich kann Dinge zu Ende bringen, auch wenn sie schwierig werden.

Das Entscheidende stand auf keinem Lehrplan

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus dieser Zeit mitgenommen habe:

Wir überschätzen manchmal das Wissen, das wir irgendwo vermittelt bekommen.

Und unterschätzen die Erfahrungen, die wir auf dem Weg sammeln.

Menschen.

Freundschaften.

Unterstützung.

Zweifel.

Erfolgserlebnisse.

Scheitern.

Weitermachen.

All das stand auf keinem Lehrplan.

Und trotzdem ist genau davon wahrscheinlich am meisten geblieben.

Heute schaue ich dieses Bild deshalb mit großer Dankbarkeit an.

Nicht nur, weil ich damals einen Abschluss geschafft habe.

Sondern weil dieser Weg mir gezeigt hat:

Du musst nicht alles allein können.
Du musst nicht immer motiviert sein.
Und du musst auch nicht jeden Tag glauben, dass du es schaffst.

Manchmal reicht es, Menschen um sich zu haben, die an dich glauben, wenn du es selbst gerade nicht kannst.

Und dann macht man einfach den nächsten Schritt.

Und irgendwann hält man etwas in der Hand, bei dem man Jahre vorher vielleicht noch dachte:

Das schaffe ich niemals.

🙏

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